W.I.L.D. - Warum jede Revierbeobachtung zählt
Wer regelmäßig im Revier unterwegs ist, merkt schnell: Unsere Landschaft verändert sich. Hecken verschwinden, Fruchtfolgen werden enger, Wetterextreme nehmen zu und viele Wildarten reagieren empfindlich auf diese Veränderungen. Manche Arten scheinen seltener zu werden, andere breiten sich aus. Doch oft bleibt es bei persönlichen Eindrücken und einzelnen Beobachtungen. Genau hier setzt das W.I.L.D.-Programm an.
W.I.L.D. steht für „Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands“ und ist das bundesweite Wildtiermonitoring der Jägerschaft. Ziel des Programms ist es, Wildtierbestände langfristig wissenschaftlich und flächendeckend nachvollziehbar zu erfassen. Dabei geht es nicht nur um reine Zahlen, sondern um die Frage, wie sich unsere Wildtierpopulationen entwickeln, welche Veränderungen in den Lebensräumen stattfinden und welche Auswirkungen dies auf Jagd, Hege und Naturschutz hat.
Gerade in einer Zeit, in der Diskussionen rund um Jagd und Wildtiermanagement immer emotionaler geführt werden, gewinnen belastbare Daten zunehmend an Bedeutung. Denn nur wer Entwicklungen nachvollziehbar dokumentieren kann, hat eine fachlich fundierte Grundlage für Entscheidungen und Diskussionen. Genau das ist einer der wichtigsten Gedanken hinter W.I.L.D.
Im Rahmen des Programms werden unter anderem Feldhasen, Rebhühner, Füchse, Dachse oder Rabenvögel erfasst. Die Daten stammen dabei direkt aus den Revieren. Das bedeutet: Die Jägerinnen und Jäger vor Ort leisten den entscheidenden Beitrag zum Monitoring. Niemand kennt die Wildbestände besser als diejenigen, die das ganze Jahr über draußen unterwegs sind.
Die Erfassung erfolgt sowohl über Referenzgebiete als auch über die sogenannte „Flächendeckende Einschätzung“. Dabei geben Revierinhaberinnen und Revierinhaber ihre Beobachtungen zu verschiedenen Wildarten an und helfen so dabei, ein möglichst realistisches Bild der Wildtierbestände in Deutschland zu erstellen.
Doch genau an diesem Punkt besteht in Mecklenburg-Vorpommern aktuell erheblicher Nachholbedarf.
Trotz unserer großen Revierflächen, unserer vielfältigen Landschaften und einer starken jagdlichen Tradition gehört Mecklenburg-Vorpommern bei der Beteiligung am W.I.L.D.-Programm leider weiterhin zu den Schlusslichtern Deutschlands. Gerade unser Bundesland mit seinen Offenlandschaften, Niederwildrevieren, Küstenregionen und großen Waldgebieten hätte eigentlich enormes Potential für aussagekräftige Daten und langfristige Monitoring-Ergebnisse.
Fehlende Beteiligung bedeutet jedoch auch fehlende Daten. Und fehlende Daten bedeuten wiederum fehlende Argumente. Wenn es um Fragen zu Niederwildrückgängen, Prädationsdruck, Lebensraumveränderungen oder zukünftige jagdliche Entscheidungen geht, reicht persönliches Empfinden allein nicht aus. Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit erwarten belastbare Zahlen und nachvollziehbare Entwicklungen.
Genau deshalb ist W.I.L.D. weit mehr als nur ein wissenschaftliches Projekt. Es ist eine wichtige Grundlage dafür, die Arbeit der Jägerschaft sichtbar und nachvollziehbar zu machen. Moderne Jagd bedeutet heute nicht nur Nutzung, sondern auch Verantwortung für Wildtiere, Lebensräume und Biodiversität zu übernehmen.
Dabei muss die Teilnahme keineswegs kompliziert oder besonders zeitaufwendig sein. Viele Beobachtungen entstehen ohnehin im normalen Revieralltag - beim Ansitz, während der Revierfahrt oder bei einem Pirschgang. Entscheidend ist vor allem, dass möglichst viele Reviere ihre Beobachtungen einbringen und damit zu einem flächendeckenden Gesamtbild beitragen.
Um die Teilnahme künftig einfacher und zugänglicher zu gestalten, wurde W.I.L.D. inzwischen auch direkt in die LJV MV – App integriert. Dort gibt es im Menü ein eigenes Feld für die Flächendeckende Erfassung, über das Nutzerinnen und Nutzer unmittelbar auf die Website des Projektes gelangen und direkt teilnehmen können. Durch dieses hilfreiche Tool gestaltet sich die Aufnahme einfacher und kann unkompliziert in den jagdlichen Alltag integriert werden.
Wenn die Jägerschaft hier weiterhin als kompetenter Ansprechpartner wahrgenommen werden möchte, braucht sie belastbare Daten aus der Praxis – aus unseren Revieren. Mecklenburg-Vorpommern hat die Möglichkeit, sich künftig deutlich stärker einzubringen und vom Schlusslicht zu einem wichtigen Bestandteil des bundesweiten Wildtiermonitorings zu werden.
Dafür braucht es jedoch die Unterstützung möglichst vieler Jägerinnen und Jäger im Land. Deshalb richtet sich dieser Apell an alle Leserinnen und Leser:
Beteiligen Sie sich am W.I.L.D.-Programm. Nutzen Sie die Möglichkeiten der Flächendeckenden Einschätzungen, melden Sie Ihre Strecken, führen Sie Scheinwerfertaxtationen durch und verhören Sie Rebhühner. Beispielsweise das W.I.L.D.-Projekthandbuch zeigt verschiedenste Möglichkeiten auf, wie Sie sich einbringen können, auch auf der Homepage des Landesjagdverbandes finden Sie zahlreiche Informationen. Jede Meldung hilft dabei, Entwicklungen sichtbar zu machen, Wildbestände besser zu verstehen und die Zukunft von Jagd und Hege fachlich fundiert mitzugestalten. Der nächste Zeitraum für die flächendeckende Erfassung startet im Jahr 2027. Registrieren Sie bereits jetzt schon Ihr Revier und legen es entsprechend in der Datenbank an. Für Fragen oder technische Unterstützung stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
W.I.L.D. lebt von der Mitarbeit der Reviere vor Ort. Und gerade Mecklenburg-Vorpommern braucht mehr Beteiligung, mehr Engagement und mehr gemeinsame Verantwortung für unsere Wildtiere und Lebensräume.
Jana Saßmannshausen, Auszubildende Revierjägerin