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Datum: 19.02.2026

Dem Wild zuliebe - Dem Wald zum Schutz

Gemeinsame Erklärung von

Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Bundesverband Deutscher Berufsjäger e.V.

Deutsche Wildtier Stiftung

Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern


Logo Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommern

Die Jagdzeitenverordnung des Landes Mecklenburg-Vorpommern wurde im Jahr 2009 geändert. Der Verordnungsgeber sah damals ein Verbot von Bewegungsjagden ab dem 11. Januar vor. Hintergrund war die winterliche Stoffwechselreduktion des wiederkäuenden Schalenwildes. Durch großräumige Beunruhigung wird diese Form der Energieeinsparung unterbrochen. Die Folge sind vermehrte Aktivität und erhöhter Äsungsbedarf, folglich ein verstärktes Wildschadensrisiko. Bedauerlicherweise wurde diese Fassung der Jagdzeitenverordnung zwischenzeitlich wieder aufgehoben. Ein Blick auf die Praxis zeigt, dass im laufenden Jagdjahr teilweise Bewegungsjagden bis Ende Januar durchgeführt wurden, teilweise bei verharschter Schneelage, teilweise bei zweistelligen Minusgraden.


Wir fordern die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern auf, zum Kompromiss des Jahres 2009 zurückzukehren und Bewegungsjagden ab dem 11. Januar zu verbieten. Die Aussetzung dieser Regelung im Jahr 2017 war ausschließlich der drohenden Ausbreitung der ASP geschuldet. Seitdem ist die Schwarzwildstrecke (vornehmlich aufgrund der Nachtzieltechnik) um knapp 40% seit den Höchstwerten im Jahr 2019/20 zurückgegangen. Damals wurde aber auch die Jagdzeit auf wiederkäuendes Schalenwild verlängert. Es ist Zeit, zu einem tierschutzgerechten Ansatz bei der Bejagung unseres Schalenwildes zurückzukehren.

Insofern sehen wir uns im Einklang mit dem zuständigen Fachministerium. Herr Minister Dr. Till Backhaus hat gegenüber dem NDR zur Januarjagd ausgeführt:


„Ich begrüße den Vorschlag, die Drückjagdsaison zu verkürzen und stärker auf Tierschutzaspekte Rücksicht zu nehmen. Gerade unter schwierigen Witterungsbedingungen ist es richtig, innezuhalten und Verantwortung zu übernehmen. In Zeiten, die für das wiederkäuende Schalenwild herausfordernd sind, gilt es, nach ethischen Gesichtspunkten zu jagen. Beunruhigung des Wildes führt zu erhöhtem Energieverbrauch, der wiederum zu Schälschäden durch Rot-, Dam- und Rehwild führt, die durch die Jagd eigentlich verringert werden sollen. Auch der Muttertierschutz beim Schwarzwild ist bei späten Drückjagden nicht immer gewährleistet.


Daher müssen wir ehrlich sein: Die strukturellen Herausforderungen bei den Schalenwildbeständen lassen sich nicht in den letzten zwei Wochen des Jagdjahres lösen. Weder Wildschäden im Wald noch tierschutzrelevante Fragen werden dadurch grundlegend entschieden. Entscheidend ist ein ganzjährig verantwortungsvoller Umgang mit Wildbeständen – fachlich fundiert, regional angepasst und mit Augenmaß.
In Mecklenburg-Vorpommern brauchen wir keinen Gegensatz zwischen Waldschutz und Tierschutz. Beides gehört zusammen. Eine pauschale Verlängerung oder Verkürzung allein ist kein Allheilmittel. Wichtig ist, dass Jagdausübung witterungsabhängig, weidgerecht und fachlich begründet erfolgt.


Ich halte deshalb eine Rückkehr zu einer pragmatischen Kompromisslösung – wie sie in der Vergangenheit bereits bestand – für sinnvoll. Der Dialog zwischen Landesjagdverband, Jägerschaft, Waldbesitzern und Naturschutz bleibt der richtige Weg, um Lösungen zu finden, die von der Praxis getragen werden.“


Wir schließen uns dieser Auffassung vollumfänglich an und bitten das Ministerium um eine entsprechende Änderung der Jagdzeitenverordnung. Darüberhinaus bitten wir das Ministerium, eine Empfehlung auszusprechen, die Abschussplanerfüllung bei Wildwiederkäuern bis zum 31.12. durchzuführen. Dadurch werden Rot- und Damhirsche aber auch Rehe in die Lage versetzt, ihre natürlichen Überwinterungsstrategien, die bereits vor dem 11. Januar beginnen, zu verfolgen.


gez. Dr. Florian Asche
für den Landesjagdverband MV e.V. und die Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern


gez. Bernd Bahr
Vorsitzender des Bundesverband Deutscher Berufsjäger e.V.


gez. Prof. Dr. Klaus Hackländer
für die Deutsche Wildtier Stiftung


Malchow, 19.02.2026